Neues von Asbjørn Sennels* (II)
Letztes Wochenende ging in Dänemarks SAS-Ligaen die Rückrunde los. Asbjørn Sennels Viborg FF unterstrich dabei seine Favoritenrolle auf den Abstieg indem es im eigenen Stadion von Mittelfeldverein Esbjerg fB gleich 0:4 auf die Mütze kriegte. Der formschwache «Assi» spielte durch und meinte, dass er halt die richtig grossen Spiele, wie er sie mit Brøndby damals erleben durfte, schon vermisse.
Zwar hätte er auch hier in Viborg Herausforderungen zu bewältigen, nur seien diese halt etwas anders. Früher spielte Sennels mit Brøndby gegen den FC Kopenhagen um Gold und Silber, heute murkst der Verteidiger mit VFF im Tabellenkeller der Liga herum. Was Sennels nicht vermisst, ist die Kameradschaft. Die Stimmung wäre schon gut gewesen, als er Viborg damals in Richtung Brøndby verlassen hatte, und diesbezüglich hat sich nichts verändert in diesem Verein.
Viborg FF liegt zurzeit mit fünf Punkten Rückstand ans rettende Ufer unter dem Abstiegsstrich. Verliert man am Wochenende gegen den FC Nordsjælland, kann Viborg wohl nur noch ein Wunder vor dem Abstieg retten. Aber Hauptsache, die Stimmung ist gut…
* Marcel Felber berichtet in seinem Blog nun regelmässig über das absehbare Ende von Asbjørn Sennels Fussballkarriere.
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Noah Kalina und ich
Warum ich mich hier derart portraitiere? Ich wurde inspiriert! Inspiriert von einem gewissen Noah Youtubegebraucher. Der Mann aus Weissauchnichtwoher hat sich doch tatsächlich während sechs (6!) Jahren tagtäglich selbst fotografiert. Während exakt 2356 (zweitausendreihundertsechsundfünfzig) Tagen! Die Fotos reihte er chronologisch aneinander, untertonte sie mit melancholischem Klaviergeklimper (die Melodie soll aus einer Simpsonfolge sein, in welcher Homers Leben an einem vorbeizieht) und stellte das Ganze auf Youtube:
Nun, ich finde den Film klasse! Doch die Frage stellt sich: Hat denn der Mann keine anderen Hobbies?! Und: Wieso hat sich dieser Noah während 2356 Tagen täglich fotografiert und nicht zum Beispiel während 2357 Tagen? Eine plausible Erklärung dafür könnte doch sein, dass die Melodie von Carly Comando, die er für den Film verwendete, nur gerade für einen Streifen mit 2356 Fotografien reichte. Die tatsächliche Antwort findet man aber auf Noah’s Website www.everyday.noahkalina.com. Er arbeitet gerade an Part 2, womit wir wieder bei der Hobbie-Frage angelangt wären…
Trotzdem habe ich bereits mein erstes Bild für meinen eigenen Film. Vielleicht ziehe ich es ja tatsächlich durch und schiesse während sechs Jahren ein Photo von mir selber. Wir werden ja sehen, ob’s klappt. Morgen schon.
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Akademisch verdrehter Trottel
Wenn ich die Wahl habe, dann entscheide ich mich grundsätzlich für die französische Salatsauce. Als ich heute in der Kantine jedoch beim Grünfutter-Buffet stand, wählte ich ganz spontan das italienische Dressing. Zu Ehren von Sergio Maurizi, dem Halbitaliener, dem Schauspieler, dem Entertainer! Es ist nicht so, dass ich wegen diesem Molière da war, in der Luzerner Seeburg, wo sie «Der eingebildete Kranke» spielten. Ich hätte mir auch «Dornröschen» vorführen lassen, Hauptsache Sergio Maurizi präsentierte seine Bühnenpräsenz! Deshalb entschied ich mich auch nicht für das French Dressing. Es ist übrigens – und danach lasse ich diese Salatsaucensache sein – nicht so, dass ich mir die Wahl meiner Speisen von einem bestimmten Ereignis bestimmen lasse (ich wüsste zum Beispiel beim besten Willen nicht, was ich essen sollte, falls der Togolese Adebayor mal wieder ein gutes Spiel für Arsenal abliefert). Die Idee, zu Ehren von Sergio Maurizi italienische Salatsauce über den mikrigen Menusalat zu geben war spontan, einzigartig, noch nie dagewesen.
Man kann nicht behaupten, dass die Rolle des Thomas Diafoirus Sergio’s Lieblingsrolle ist. Truffaldino – das war eine Rolle, die er lebte, die ihn faszinierte, mit der er das Publikum in seinen Bann ziehen konnte. Der Titelheld aus «Diener 2er Herren» wurde von Sergio in einer Art und Weise verkörpert, dass es dem Zuseher geradezu langweilig wurde, wenn die schlitzohrige Figur mal nicht auf der Bühne stand.
In «Der eingebildete Kranke» spielt Sergio mit eben jenem Thomas Diafoirus (der Name Diafoirus lässt sich vom medizinischen «Diarrhöe» ableiten = Durchfall) einen akademisch verdrehten Trottel, der mit der hübschen Tochter des Hauptcharakters verheiratet werden soll. Nun schafft es aber auch dieser Thomas Diafoirus, was Truffaldino ein paar Jahre zuvor auf der selben Bühne gelang: Er entzückt das Publikum, lässt es Tränen lachen. Was Truffaldino mit seiner Schlitzohrigkeit schaffte, gelingt diesem Diafoirus durch seine dümmliche und aufgeblasene Art. Dass man diesen geistig schwerfälligen Typus in der zweiten Hälfte des Stücks schmerzlichst vermisst, ist das klare Verdienst seines Darstellers, der aber selbst meint, dass die Figur durch ihren trotteligen Auftritt wohl schnell ausgereizt wäre, würde sie auch im zweiten Teil der Aufführung eine aktive Rolle spielen.
Sergio spielt den schwierigen Charakter des Thomas Diafoirus herausragend! Natürlich war ich wegen ihm da, klar achtete ich mich im Speziellen auf ihn, und dennoch kamen mir im Zusammenhang mit seiner Darbietung so einige Filme zu Sinnen, in welchen man innerlich den Hut vor einer herausragenden schauspielerischen Darbietung ziehen musste: Dustin Hoffman, der in «Rain Man» den Autisten Raymond spielt. Sean Penn in «I’am Sam», welcher als geistig Behinderter ein Mädchen gross ziehen möchte. Brad Pitt als durchgedrehter Klapsmühlen-Insasse in «Twelve Monkeys». Und Edward Norton in «Zwielicht», wo er als angeblicher schizophrener Straftäter einen Staranwalt in der Gestalt von Richard Gere an der Nase herumführt.
Für mich gehören diese Rollen zum Besten, was die (US-) Filmindustrie je bieten konnte. Nun wäre es natürlich überzogen, Sergio Maurizi in «Der eingebildete Kranke» mit Edward Norton in «Zwielicht» zu vergleichen. Aber Edward Norton in «Zwielicht» mit Sergio Maurizi in «Zwielicht» vergleichen – das würde ich gerne mal tun…!
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Wir kennen es alle, doch wir wissen noch so wenig von ihm. Die Rede ist vom Südsee-Seepferdchen, welches vor allem durch sein Äusseres auffällt. Dieses erinnert nämlich nur sehr wenig an einen Fisch. Eher pflegt man den «Hippocampus Plantschi» mit einem wasserscheuen Froschmann zu vergleichen.
Die Südsee-Seepferdchen gehören zu den gefährdeten Tiergattungen auf der Welt. Obwohl ihr grösster Feind, der Wassergraben, nur noch an vereinzelten Orten auf das Südsee-Seepferdchen trifft, so liegt der Rückgang seiner Spezie tragischerweise in der begrenzten Kreativität des Menschen. Diese erreichte ihren Höhepunkt in den Jahren 1961 bis 1966 durch das wohl bekannteste Südsee-Seepferdchen aller Zeiten: Bamboo Harvester. Als dieses im Jahre 1970 unter myteriösen Umständen im pazifischen Ozean ertrank, löste sich die «SSSS» (Save the Südsee-Seepferdchen) -Organisation aus Kummer und Selbstmitleid in nichts auf. Seither kämpft das Südsee-Seepferdchen mit eisernem Willen und ausgestreckter Hufe ums nackte Überleben.
Diesem Umstand wegen hat das Südsee-Seepferdchen erstaunlicherweise seine eigene Fortpflanzungsstrategie entwickelt. Aus einem minimalen Aufwand an Energie, ist es ihm teilweise gelungen, einen maximalen Nachwuchserfolg zu ertragen. Bei dieser Fortpflanzungsmethode vermischt sich das genetische Material des einen mit jenem des anderen Südsee-Seepferdchens. Dabei verschmelzen die haploiden Gameten miteinander und bilden dadurch die diploide Zygote. Diese wiederum vollzieht nun eine Reihe von Mitosen worauf es auf diese Weise zu einer Evolution kommt.
Ein erstaunlicher Weg zur Selbsthilfe, welcher unser Südsee-Seepferdchen mutig eingeschlagen hat. Drücken wir ihm die Hufe, damit es uns noch lange mit seinem Wesen erfreuen mag.
* Dieser Beitrag wurde auf Initiative von Blog-Leser S. M. aus L. erstellt.
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TV-Soap XXL
Ich stelle mir das in etwa so vor: Monica, Rachel, Chandler und Ross (ja genau, die von «Friends») sitzen in ihrer Dachwohnung in New York, trinken Tee, essen Keckse und reissen Witze. Monica erwartet ein Paket während Ross auf sein Date wartet (obwohl Ross ja nicht in jener Wohnung wohnt… aber egal, er hat sein Date eben da hin bestellt). Es klingelt an der Tür. Ist das nun Ross’ Date oder Monicas Paket? Beide sprinten zur Tür, ein Radau, ein Geschrei, die Lachplatten lachen und schliesslich liegt Ross auf dem Parkett während Monica sich die Haare knapp zurecht macht und die Tür öffnet. Kameratotale auf die aufgehende Tür! Es ist (und jetzt kommt’s!) Doug Heffernan! Ja genau, der aus «King of Queens»! Als Kurierfahrer bei IPS kann es schliesslich durchaus mal vorkommen, dass Doug Post für Monica Geller-Bing hat!
Die Szene kann nun natürlich ausgeweitet werden. Doug könnte die Keckse entdecken und futterneidisch werden. Oder Chandler trägt ein T-Shirts der Yankees, was Jets-Fan Doug nicht passt, worauf es zu einer handgreiflichen Auseinandersetzung kommt. Das Ganze natürlich stets gespickt mit Gags, was weiss ich… bin ja schliesslich kein Drehbuchautor!?! Entscheiden wir uns für die Keilerei, in welche auch Ross unglücklich hineingerät und deshalb aus der Nase blutet. Während Rachel ihn ins Badezimmer beordert damit er dort von ihr verarztet werden kann, klingelt die Türglocke erneut und Dana (Genau! Die aus «Immer wieder Jim»!!!) betritt die Wohnung – Ross’ Date! Da Ross sich im Badezimmer gerade medizinisch behandeln lässt, nimmt sie vorerst auf der Couch Platz, wo sich wenig später Joey Tribbiani hinzusetzt, der gerade aus einem Club kommt, in welchem Jerry Seinfeld einen Auftritt hatte («Manchmal hat es einen Grund, dass eine wenig befahrene Strasse wenig befahren ist»). Joey setzt sich neben Dana (deren Nachname übrigens nicht bekannt ist, wie jene aller Charakteren in «Immer wieder Jim» – ein Running-Gag der Serie) und sagt: «Na… wie geht’s denn so?».
Nun, jedenfalls ist Ross’ Nase eben doch gebrochen und der Pechvogel muss ins Krankenhaus gefahren werden. Hier trifft man im Wartesaal zufällig auf Arthur Spooner (ja genau, der aus «King of Queens»), der wiedermal seine Pillen nicht schlucken wollte und nun mit Kreislaufbeschwerden zur Untersuchung in die Klinik geschickt wurde. Dr. John Michael «J. D.» Dorian (Jep, der aus «Scrubs») nimmt sich sofort Ross an, was Arthur Spooner nicht in den Kram passt, weil er ja wohl eher da war, worauf er vermutet, dass er länger warten muss weil sein Begleiter Deacon Palmer schwarz ist.
Man könnte die Story noch in die Länge ziehen, sie vor allem umschreiben. Aber weshalb können sich die verschiedenen Charakteren unserer Lieblingsserien nicht einfach mal in einer Serie treffen? Ich meine nicht die Gastauftritte einiger Stars wie Bruce Willis in «Friends», Jessica Simpson in der «That 70’s Show» oder Brad Pitt ebenfalls in «Friends». Chandler Bing (nicht Matthew Perry! Chandler Bing!!! Haben das jetzt alle geschnallt!?!) kauft sich eine Fahrkarte für die U-Bahn bei Spence Olchin. Doug Heffernan liefert Pakete an Cosmo Kramer. Phoebe Buffay bewirbt sich für eine Stelle in der Agentur, wo Carrie Heffernan arbeitet. Jim (Nachname unbekannt) verkracht sich mit dem Hausmeister aus «Scrubs»…
TV-Soaps würden sich ineinander verschmelzen und natürlich wüsste man am Ende einer Folge nicht mehr genau, ob man jetzt «Friends» oder «Seinfeld» gesehen hat. Aber wenn die Serie zum Brüllen komisch ist – und die hohen Gagen der Schauspieler bezahlt werden können… why not!?
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Neues von Asbjørn Sennels*
«Und wer soll anstelle von Niclas Jensen spielen?» fragen sich Fans und Fachleute besorgt, wenn es um die Startaufstellung der dänischen Fussballnationalmannschaft geht, «Etwa Asbjørn Sennels?!». Der ironische Abklatsch dieser Aussage ist kaum zu überhören. In der Alpenregion würde man vergleichsweise Andy Egli als ernsthaften Kandidaten für den Job des Nationaltrainers nennen. Nein, Asbjørn Sennels hat es nicht leicht.
Als er mit 20 Lenzen auf dem Buckel 1999 von seinem Heimatverein Skovbakken IK den Sprung zum Super Ligaen-Klub Viborg FF schaffte, schwärmte eine ganze Sportnation vom grossen Talent. Bald schon wurde der linke Aussenverteidiger fester Bestandteil der U21-Nationalmannschaft und nach weiteren glorreichen Spielzeiten in Dänemarks höchster Liga meldete sich Nationaltrainer Morten Olsen, um ihn 2004 für zwei Spiele aufzubieten.
Sennels war auf dem Zenit seiner Karriere. Britische Vereine buhlten um den Verteidiger doch Asbjørn entschied sich für einen Topklub in seiner Heimat: Brøndby. Trainer Michael Laudrup brauchte ihn, um den abgewanderten Publikumsliebling Auri Skarbalius zu ersetzen. Doch Sennels war dem Druck nicht gewachsen und die Brøndby-Anhänger fragten sich, ob man als linker Aussenverteidiger denn nicht zumindest einen einzigen rechten Fuss haben sollte. Einer nicht ganz perfekten Saison folgte eine zweite, eine weitere und dann mit Joseph Elanga ein Kameruner für die linke Aussenverteidiger-Position. Als Trainer Laudrup Brøndby verlassen musste und durch Rene Meulensteen ersetzt wurde, versetzte dieser Sennels in der Hierarchiestufe immer weiter nach hinten, bis in die Reservemannschaft.
Asbjørn kehrte 2007 zu dem Verein zurück, von dem er gekommen war – zu Viborg FF. Doch der einst hochgelobte Sennels knüpfte auch hier nicht an seine Höchstleistungen an. Im Gegenteil. Aus dem Trainingslager in Marbella liess er verlauten, was eigentlich jeder schon wusste: «Ich habe in letzter Zeit das Gefühl, dass ich mich in einer Formkrise befinde und es mir am Ballgefühl mangelt». Für die Fans des abstiegsbedrohten Viborg FF sind dies wahrlich keine glorreichen News, doch meint Sennels, dass Form und Ballgefühl ja bestimmt wieder besser werden würden im Verlaufe des Trainingscamps in Spanien, obwohl er ja noch nicht wisse, wie viel Einsatzzeit ihm in den beiden Testspielen im Süden gewährt wird.
Am 16. März beginnt für Asbjørn Sennels Viborg FF die Rückrunde in der SAS-Liga. Mit oder ohne Asbjørn Sennels.
* Marcel Felber berichtet in seinem Blog nun regelmässig über das absehbare Ende von Asbjørn Sennels Fussballkarriere.
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Die Dänen sind ein eher ruhigeres, freundliches Volk. Man hört nicht viel aus dem kleinsten Land Skandinaviens. In den Kurznews ist hin und wieder von der erneuten Entführung der kleinen Meerjungfrau zu erfahren. Das Abmontieren und Kopfabsägen des Wahrzeichen Dänemarks hat sich mittlerweile sogar zum Volkssport ausgeweitet. Auf den Titelseiten der Weltpresse erscheinen die Dänen jedoch höchstens wenn sie gerade die Fussball-Europameisterschaft gewinnen, den Euro an der Urne ablehnen oder die eine oder andere Mohammed-Karikatur in ihren Zeitungen abdrucken.
Vom letzteren erfuhr die Welt erstmals am 17. Oktober 2005 als das ägyptische Blatt «Al Fayer» eine Karikatur Mohammeds abdruckte, wie sie die dänische Zeitung «Jyllands Posten» bereits in ihrer Ausgabe vom 30. September 2005 publizierte. In den Zeichnungen wurde der Prophet Mohammed unter anderem mit einem Turban in Form einer Bombe dargestellt. Weltweite Proteste empörter Muslime waren die Folge. Dänische Flaggen (woher sie diese auch immer her hatten…) brannten reihenweise. Radikale Islamisten riefen dazu auf, im Irak dänische Soldaten anzugreifen. Palästinensische Extremisten belagerten das EU-Büro in Gaza. In Kopenhagen und Aarhus kam es zu Bombendrohungen in Redaktionsgebäuden. Unterdessen drohten militante Untergrundorganisationen mit der Entführung von Staatsangehörigen aus Frankreich, Norwegen, Dänemark und Deutschland, wobei ein Deutscher tatsächlich entführt wurde. In Jakarta stürmten Demonstranten die dänische Botschaft und riefen dabei unter anderem: «Wir sind bereit für den Dschihad» und «Lasst uns den dänischen Botschafter abschlachten». Ein paar Tage später wurde in Syriens Hauptstadt Damaskus die dänische und norwegische Botschaft in Brand gesteckt. Dasselbe geschah mit der dänischen Botschaft in Beirut nur einen Tag danach. Am selben Tag meldete sich auch die Terrororganisation Al-Qaida, die drohte, alle Dänen zu töten. Bis zum 22. Februar 2006 kamen wegen des Karikaturenstreits 139 Menschen ums Leben, 823 wurden verletzt.
Nachdem nun vor zwei Wochen in Aarhus drei Personen festgenommen wurden, die einen Mordanschlag auf den dänischen Karikaturisten Kurt Westergaard geplant hatten, veröffentlichten die führenden dänischen Zeitungen erneut demonstrativ die umstrittene Mohammed-Karikatur – als Zeichen für die Pressefreiheit. Die Reaktionen in den muslimischen Ländern liess nicht lange auf sich warten. Wieder wurden dänische Flaggen verbrannt. Im Sudan rief die Menge: «Nieder mit Dänemark» und in Dänemark selber brannte eine Schule nach der anderen, für was sich jugendliche Zuwanderer mit muslimischen Wurzeln verantwortlich zeichneten.
Unterdessen verneigte sich der deutsche Innenminister Wolfgang Schäuble vor den dänischen Zeitungen, um gleichzeitig zu erwähnen, dass eigentlich alle europäischen Zeitungen die Karikaturen abdrucken sollten. «Wir lassen uns nicht auseinanderdividieren», gelte hier das Motto.
In Dänemark steht die Bevölkerung voll und ganz hinter ihrer Presse. «Ingen undskyldninger til Muhammed» («Keine Entschuldigungen zu Muhammed») ist die allgemeine Meinung. Dass nun die ganze Prozedur mit brennenden dänischen Flaggen, Drohungen gegen Staatsbürger Dänemarks, Stürmungen von Botschaften, weltweiten Demonstrationen und damit verbundenen Toten und Verletzten wieder von vorne losgeht, scheint momentan weder die dänische Presse, noch die Regierung um Anders Fogh Rasmussen und auch nicht ein Wolfgang Schäuble zu stören. Natürlich scheint es uns äusserst fragwürdig, wie sich Millionen von Muslimen wegen einer einfachen Karikatur gewaltsam aufregen können. Der dänischen Presse sollte nun aber bewusst sein, dass sie durch das erneute Abdrucken der Mohammed-Karikaturen Verantwortung tragen müssen für jede abgebrannte Schule in Dänemark und für jeden dänischen Staatsbürger, der zur Zielscheibe von Extremisten wird.
Ich glaube nicht, dass sich die dänischen Presseleute zu einer Provokation hinreissen lassen würden, wenn sie genau wüssten, dass dadurch ihre eigene Familie in Gefahr geraten könnte. Eine solche Verantwortung trägt meiner Meinung nach auch die Presse (und der Staat sowieso) für das Volk. Mit dieser wurde mit der jüngsten Aktion überaus fahrlässig umgegangen.
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